Freiheitsverlangen in Zeiten von Corona

Was mir gerade jetzt in Zeiten von Corona sehr stark in meinen Beobachtungen wieder auffällt ist das Freiheitsgefühl bzw. Freiheitsverlangen der Menschen. Offensichtlich hat dieses selbst der Staat noch nicht ganz oder gar nicht verstanden. Andererseits frage ich mich, ist diese Freiheit, die jeder Einzelne für sich einfordert wirklich so erstrebenswert, wie es den Anschein hat? Braucht unser Zusammenleben nicht viele Regeln, damit ein Zusammenleben überhaupt funktionieren kann? Mich erschüttert jedes Mal, wenn ich z.B. in Frau TV von Gewalt gegenüber Frauen berichtet wird und was daraus die Konsequenz ist, nämlich kaum eine.

Hochzeit wider willen

Vom 23. August 1997 bis zum 23. Januar 2004 war ich mit einer Philippinin, die nicht behindert ist, kirchlich zwangsverheiratet. Die Ehe wurde staatlich und kirchlich getrennt bzw. für ungültig erklärt. Zuvor habe ich versucht mich mit Händen und Füßen gegen meinen Vater zu wehren, aber vergeblich. Bei der Hochzeit waren meine Tanten und Onkel auch zugegen. Man hat ja jeweils bei der staatlichen und kirchlichen Zeremonie einige Anwesende, aber keiner hat etwas dagegen einzuwenden gehabt. Und so haben meine Frau und ich es über uns ergehen lassen. Bis heute frage ich mich nach den Beweggründen meines Vaters.

Beziehungen und Erwartungen

Im Laufe meines Lebens hatte ich noch 3 weitere Beziehungen mit behinderten Frauen. Dabei musste ich immer wieder feststellen, dass die Erwartungen der Frauen an sich selber bzw. an uns als Paar, oder an mich als Partner massiv auseinanderdriften. Dabei musste ich den Vorwurf einstecken „dass ich nicht´s könne und dass ich von meinen Eltern wenig Förderung erhalten hätte“.

In eine Ecke gestellt werden

Als die Ereignisse aufflogen und meine Tante und Onkel mir das Leben retteten, kam auch meine andere Tante gleich mit der Argumentation dass ich ja in kürze diese Wohnung verlassen müsste und ich ja auf jeden Fall eine kleinere Wohnung suchen müsste. Im gleichen Augenblick entgegnete ich ihr „dass das noch gar nicht ansteht und wir doch noch damit warten könnten”. Daraufhin sie „Du hast viel zu viel und ich muss mit weniger auskommen.“ Wofür schafft man sich Dinge im Leben an, weil man sich besser fühlen möchte? Mein Betreuer hat es ja hinbekommen und ich wohne bis heute in dieser Wohnung. Oder ist es die Angst, dass ein vermeintlich schwaches Glied der Gesellschaft positiver denkt als man selber?